Ein Viertel weniger in neun Monaten
Vom Rekordschluss am 28. Januar 2026 bei 5.415,17 US-Dollar bis zum 23. Oktober fiel der Goldpreis auf 4.034,48 US-Dollar. Das sind 25,50 Prozent weniger. Gemessen am Intraday-Hoch vom 29. Januar, 5.595,44 Dollar, sind es sogar 27,90 Prozent.
An 16 Tagen bewegte sich der Kurs um drei Prozent oder mehr, zehnmal davon nach unten. So viele Ausschläge dieser Größe gab es zuletzt 2008, damals waren es 23. Drei Abstürze stechen heraus: der Warsh-Schock Ende Januar, der Ausverkauf im Iran-Krieg Mitte März und der Rückgang mit der Zinswende ab Juni. Jeder hat einen Platz in den Ranglisten der größten Verlustphasen seit 1970 bekommen.
| Fenster | Zeitraum | Von | Auf | Veränderung | Rang |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 Handelstag | 30.01.2026 | 5.378,77 | 4.847,87 | -9,87 % | 3 |
| 7 Handelstage | 11.03. - 20.03.2026 | 5.181,99 | 4.493,95 | -13,28 % | 9 |
| 30 Tage | 12.05. - 11.06.2026 | 4.753,28 | 4.051,63 | -14,76 % | 16 |
| Kalendermonat | März 2026 | 5.263,82 | 4.667,33 | -11,33 % | 8 |
| Kalendermonat | Juni 2026 | 4.516,92 | 4.008,64 | -11,25 % | 9 |
Der 30. Januar ist der größte Tagesverlust seit dem Silver Thursday vom 27. März 1980. Prozentual schwerer wogen nur dieser Tag und der Hunt-Tagescrash vom 25. Januar 1980. In Dollar gerechnet gibt es keinen Vergleich: 530,90 Dollar hatte die Feinunze an einem Tag noch nie verloren. Der zweitgrößte absolute Tagesverlust der Reihe stammt ebenfalls aus diesem Jahr, 233,65 Dollar am 3. März.
Der Anlauf: 25 Prozent in vier Wochen
Gold startete mit Schwung ins Jahr. 2025 hatte der Preis um rund 65 Prozent zugelegt, so stark wie seit 1979 nicht mehr. Zum Jahresschluss 2025 stand die Feinunze bei 4.318,59 Dollar. Bis zum 28. Januar kamen weitere 25,4 Prozent dazu.
Mitte Januar sahen Händler laut ZDFheute zwei Treiber: die Zuspitzung der Lage im Iran und die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Fed-Chef Jerome Powell, die Zweifel an der Unabhängigkeit der US-Notenbank weckten. Am 26. Januar stieg Gold erstmals über 5.000 Dollar. Der ORF nannte dazu den Streit zwischen den USA und der NATO um Grönland, Käufe der Zentralbanken und Rekordzuflüsse in Gold-ETFs.
Die letzten beiden Tage vor dem Hoch waren die steilsten: plus 3,34 Prozent am 27. Januar, plus 4,57 Prozent am 28. Januar. Silber erreichte am 29. Januar seinen Rekord von 121,65 Dollar. Ein Teil dieser Käufe war mit geliehenem Geld finanziert. Das zeigte sich einen Tag später.
Der Warsh-Schock am 30. Januar
Am Freitag, dem 30. Januar, nominierte US-Präsident Donald Trump Kevin Warsh als Nachfolger von Fed-Chef Powell. Warsh, von 2006 bis 2011 im Direktorium der Notenbank, galt laut SRF als Falke, der eher hohe Zinsen bevorzugt. Damit wackelte die Erwartung kräftiger Zinssenkungen, auf die der Markt gesetzt hatte.
Gold fiel an diesem Tag von 5.378,77 auf 4.847,87 Dollar, um 9,87 Prozent. Silber lag zwischenzeitlich 36 Prozent im Minus und schloss 26 Prozent tiefer. Die Personalie allein erklärt diesen Einbruch nicht, das hielten auch Analysten fest, die der ORF zitierte. Den Rest besorgten gehebelte Wetten auf steigende Metallpreise. Als die Kurse fielen und die Terminbörse COMEX die Sicherheitsleistungen anhob, wurden Positionen zwangsweise aufgelöst. Jeder Zwangsverkauf drückte den Preis weiter und löste den nächsten aus.
Am Montag, dem 2. Februar, ging es um weitere 3,85 Prozent abwärts. Über die zwei Handelstage seit dem 29. Januar summierte sich der Verlust auf 13,34 Prozent, fast exakt so viel wie beim April-Crash 2013 mit 13,35 Prozent vom 11. bis 15. April. Dann drehte der Markt. Am 3. Februar stieg Gold um 6,13 Prozent, der größte Tagesgewinn seit dem 17. September 2008.
Im Iran-Krieg kein sicherer Hafen
Im Februar holte Gold einen Großteil der Verluste wieder auf. Am Samstag, dem 28. Februar, griffen Israel und die USA den Iran an. Die erste Reaktion folgte dem Lehrbuch: Am Montag darauf, dem 2. März, schloss Gold bei 5.322,16 Dollar. In Euro gerechnet war das der höchste Stand des Jahres. Dann kippte die Logik.
Ein Krieg am Persischen Golf verteuert Öl und Gas. Teure Energie treibt die Inflation, und steigende Inflation lässt Notenbanken eher über Zinserhöhungen nachdenken als über Senkungen. Für ein Metall, das keine Zinsen abwirft, ist das die schlechteste Kombination. Die Fed ließ den Leitzins am 18. März bei 3,50 bis 3,75 Prozent und nannte die Entwicklung im Nahen Osten als Unsicherheitsfaktor (FOMC-Erklärung). Am 18., 19. und 20. März verlor Gold 3,32, 3,75 und 3,47 Prozent.
Vom 11. bis 20. März fiel der Kurs von 5.181,99 auf 4.493,95 Dollar, um 13,28 Prozent in sieben Handelstagen. Der ORF sprach vom größten Wochenverlust seit rund 43 Jahren. Am Montag, dem 23. März, rutschte die Feinunze im Handelsverlauf bis auf 4.136,20 Dollar, ehe Trump angedrohte Angriffe auf iranische Kraftwerke für fünf Tage aussetzte. Seit Kriegsbeginn hatte Gold laut ZDFheute zu diesem Zeitpunkt mehr als 18 Prozent verloren.
Warum fiel ein Krisenmetall mitten in einer Krise? Die Erklärungen jener Tage decken sich weitgehend. Der ORF nannte neben der Zinsangst Verkäufe, mit denen Anleger Nachschussforderungen bei Aktienverlusten bedienten, und einen überfüllten Markt, aus dem sich Spekulanten zurückzogen. Das SRF ergänzte Gewinnmitnahmen und Mittelabzüge bei Private-Equity-Fonds in den USA, die den Bedarf an flüssigem Geld erhöhten. Das Muster ist aus dem Oktober 2008 bekannt: In der akuten Phase einer Krise wird verkauft, was sich schnell verkaufen lässt.
Der März endete mit einem Minus von 11,33 Prozent. Einen schwächeren Kalendermonat hatte Gold zuletzt im Oktober 2008. Am letzten Handelstag des Monats stieg der Kurs um 3,46 Prozent, bis zum 17. April erholte er sich auf 4.854,68 Dollar.
Die Zinswende ab Juni
Im Mai bekam die Fed ihren neuen Chef. Der Senat bestätigte Warsh am 13. Mai, am 22. Mai legte er den Amtseid ab (Federal Reserve). Für den 12. Mai verzeichnet die Zeitreihe 4.753,28 Dollar, für den 11. Juni nur noch 4.051,63 Dollar, ein Minus von 14,76 Prozent binnen 30 Tagen. In diese Wochen fiel die erste Zinserhöhung im Euroraum seit fast drei Jahren: Am 11. Juni hob die EZB ihre Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte an, den Einlagesatz auf 2,25 Prozent, ausdrücklich wegen des Inflationsdrucks durch den Krieg im Nahen Osten (Bundesbank). Die Fed hielt am 17. Juni noch still und verwies auf Angebotsschocks, unter anderem bei Energie (FOMC-Erklärung).
Der World Gold Council beziffert das Tief des ersten Halbjahres auf 4.002 Dollar im Juni, gemessen am LBMA-Nachmittagspreis. Bis zum 26. Juni lag Gold damit 7 Prozent unter dem Jahresanfang. Den größten Anteil an der Entwicklung im Halbjahr schreibt der WGC der Geopolitik rund um den Konflikt zwischen den USA und dem Iran zu, dazu Positionierung und Gewinnmitnahmen (Gold Mid-Year Outlook 2026).
Im zweiten Quartal trennten sich die Wege. Aus Gold-ETFs flossen 45 Tonnen ab, vor allem in Nordamerika, wo Anleger auf höhere Inflations- und Zinserwartungen und einen stärkeren Dollar reagierten. Zentralbanken kauften im selben Quartal 289 Tonnen, 62 Prozent mehr als ein Jahr zuvor (Gold Demand Trends Q2 2026). Der Juni schloss mit minus 11,25 Prozent. Damit stammen zwei der zehn größten Monatsverluste seit 1970 aus demselben Jahr. Wie stark Realzinsen und Dollarkurs den Goldpreis grundsätzlich lenken, zeigt https://www.geldjournal.at/goldpreisentwicklung/.
Eine Erholung, die hielt, brachte der Sommer nicht. Am 17. Juli stand der Kurs bei 3.991,85 Dollar, dem tiefsten Wert der Zeitreihe seit dem 6. November 2025. Ende August notierte Gold wieder über 4.600 Dollar, dann zogen die Notenbanken nach. Warsh zeigte sich am 28. August offen für eine Zinserhöhung. Die EZB erhöhte am 10. September ein zweites Mal, auf 2,50 Prozent Einlagesatz (Bundesbank). Am 16. September hob die Fed den Leitzins auf 3,75 bis 4,00 Prozent an (FOMC-Erklärung), zum ersten Mal seit Juli 2023 (ORF).
Für den September meldet der World Gold Council ein Monatsminus von 8,5 Prozent auf 4.176 Dollar. Als Hauptgründe nennt er den Anstieg der zehnjährigen US-Rendite um 53 Basispunkte auf 5,3 Prozent, einen um 2 Prozent stärkeren Dollar und den Abbau spekulativer Positionen an der COMEX. Gold-ETFs verbuchten im selben Monat trotzdem Zuflüsse von 67 Tonnen (Gold Market Commentary). Am 23. Oktober kostete die Feinunze 4.034,48 Dollar, 6,58 Prozent weniger als zum Jahresschluss 2025.
In Euro gerechnet ein kleinerer Absturz
Die Dollarzahlen überzeichnen, was Anleger im Euroraum 2026 erlebt haben. Der Euro verlor seit Jahresbeginn 4,7 Prozent gegenüber dem Dollar: Der Referenzkurs der EZB fiel von 1,1750 Dollar am 31. Dezember 2025 auf 1,1193 Dollar am 23. Oktober 2026. Ein schwächerer Euro macht Gold in Euro teurer und federt so einen Teil des Dollarverlusts ab.
| Stichtag | USD | EUR/USD | EUR |
|---|---|---|---|
| 31.12.2025, Jahresschluss | 4.318,59 | 1,1750 | 3.675,40 |
| 28.01.2026, Rekordschluss in Dollar | 5.415,17 | 1,1974 | 4.522,44 |
| 02.03.2026, Höchststand in Euro | 5.322,16 | 1,1698 | 4.549,63 |
| 23.10.2026 | 4.034,48 | 1,1193 | 3.604,47 |
| Seit Jahresbeginn | -6,58 % | -1,93 % | |
| Abstand vom Höchststand | -25,50 % | -20,77 % |
Der Höchststand in Euro lag deshalb nicht im Januar, sondern am 2. März, dem ersten Handelstag nach Kriegsbeginn. Der World Gold Council kommt auf Basis des LBMA-Preises auf dasselbe Datum, mit 4.539 Euro. Ende September lag Gold in Euro laut WGC nur 0,9 Prozent unter dem Jahresanfang, in Dollar 4,4 Prozent. Wer zum Jahreswechsel in Euro gekauft hat, liegt am 23. Oktober knapp 2 Prozent im Minus. Wer am 2. März gekauft hat, hat gut ein Fünftel verloren.
Kursverlauf im Ereignisfenster
Quellen und weiterführende Literatur
- ZDFheute: Iran-Krise und Fed-Streit treiben Goldpreis auf neues Rekordhoch, 14.01.2026. zdfheute.de/wirtschaft/goldpreis-rekordhoch-4600-dollar-100.html
- ORF: Goldpreis steigt auf neues Rekordhoch, 26.01.2026. orf.at/stories/3418224
- ORF: Powells Nachfolger: Trump nominiert Warsh als neuen Fed-Chef, 30.01.2026. orf.at/stories/3418723
- ORF: Preissturz bei Gold, Silber: Edelmetalle vorerst ausgebremst, 02.02.2026. Zu Margin-Anhebungen und Zwangsverkäufen. orf.at/stories/3418952
- ZDFheute: Goldpreis sackt weiter ab: Rekordjagd zu Ende?, 02.02.2026. zdfheute.de/wirtschaft/goldpreis-silberpreis-sinkflug-100.html
- SRF: Rekordjagd vorbei: Gold- und Silberpreis brechen ein, 02.02.2026. srf.ch/news/wirtschaft
- ORF: Israel und USA greifen Iran an, 28.02.2026. orf.at/stories/3421560
- Federal Reserve: FOMC statement, 18.03.2026, 17.06.2026 und 16.09.2026. federalreserve.gov/newsevents/pressreleases/monetary20260916a.htm
- SRF: Weshalb der Goldpreis inmitten der Iran-Krise sinkt, 20.03.2026. srf.ch/news/wirtschaft
- ORF: Kein sicherer Hafen: Iran-Krieg lässt Goldpreis sinken, 23.03.2026. orf.at/stories/3424686
- ZDFheute: Was der Iran-Krieg für Gold, Sprit, Börse & Co. bedeutet, 23.03.2026. zdfheute.de/wirtschaft/gold-boerse-sprit-geld-iran-krieg-100.html
- Federal Reserve: Kevin M. Warsh sworn in as Chair of the Board of Governors, 22.05.2026. federalreserve.gov/newsevents/pressreleases/other20260522a.htm
- Deutsche Bundesbank: EZB-Rat: Leitzinsen angehoben, 11.06.2026, und EZB-Rat hebt Leitzinsen um 25 Basispunkte an, 10.09.2026. bundesbank.de/de/aufgaben/themen
- World Gold Council: Gold Mid-Year Outlook 2026, 01.07.2026. Halbjahrestief und Renditezerlegung auf Basis des LBMA Gold Price PM. gold.org/goldhub/research/gold-mid-year-outlook-2026
- World Gold Council: Gold Demand Trends Q2 2026, 30.07.2026. ETF-Abflüsse und Zentralbankkäufe im zweiten Quartal. gold.org/goldhub/research/gold-demand-trends
- ORF: Inflation: Fed-Chef Warsh für Zinserhöhung offen, 28.08.2026, und Kampf gegen Inflation: Fed hebt Zinssatz erstmals seit 2023 an, 16.09.2026. orf.at/stories/3442370
- World Gold Council: Gold Market Commentary: Go with the flow, 07.10.2026. Monatsbilanz September 2026. gold.org/goldhub/research/gold-market-commentary-september-2026
- Europäische Zentralbank: Euro-Referenzkurs US-Dollar, Tageswerte 2025-2026. ecb.europa.eu
- Eigene Zeitreihe Goldpreis, Tagesschlusskurse 1970-2026. Methodik siehe Hauptbericht.