Goldpreisabsturz.de

Historische Kursabstürze, tagesgenau seit 1970.

Ereignisdossier · Nr. 06

April 2013: Der Crash, der den zwölfjährigen Bullenmarkt beendete

Zwei Handelstage, 13 Prozent Verlust, 208 Dollar absolut. Der April-Crash 2013 war der größte Gold-Tagesverlust seit 1980 - und das Ende eines zwölfjährigen Aufwärtstrends.

-8,83 %
Fenster1 Handelstag (15.04.)
3-Tage-Verlust-13,35 %
Ausgangskurs1.560,28 USD
Endkurs1.351,91 USD
KontextEnde Bullenmarkt 2001-2011

Der größte Tagesverlust seit 1980

Am 15. April 2013 - einem Montag - verlor der Goldpreis binnen eines Handelstags 8,83 Prozent. Der Kurs fiel von 1.482,80 US-Dollar am Freitag, dem 12. April, auf 1.351,91 US-Dollar am 15. April. Bezogen auf das Zweitage-Fenster vom 11. bis 15. April betrug der Verlust sogar 13,35 Prozent.

Es war der größte Tagesverlust in der Goldzeitreihe seit dem Hunt-Tagescrash vom 25. Januar 1980 - also seit 33 Jahren. Gleichzeitig beendete er einen zwölfjährigen Aufwärtstrend, der den Goldpreis von rund 255 US-Dollar im Februar 2001 auf 1.920 US-Dollar im September 2011 geführt hatte.

Zwölf Jahre Aufwärtstrend - und die ersten Risse

Seit dem Tiefpunkt im Februar 2001 hatte Gold einen der längsten Bullenmärkte der Neuzeit durchlaufen. Der Treiber war konsistent: Die expansive Geldpolitik der Federal Reserve nach 2001, die Eurokrise ab 2010 und die Nullzins-Politik der grossen Notenbanken nach Lehman sorgten für negative Realrenditen auf US-Staatsanleihen.

Das Hoch bei 1.920 US-Dollar am 6. September 2011 markierte den Wendepunkt. Im Oktober 2011 hob die CME die Initial-Margin-Anforderungen auf COMEX-Goldkontrakte mehrfach an - ein fast vergessener regulatorischer Akt, der die starke spekulative Überhitzung der vorangegangenen Monate bändigen sollte. Der Goldpreis gab nach, stabilisierte sich aber im Jahr 2012 zwischen 1.600 und 1.800 US-Dollar.

Anfang April 2013 notierte Gold bei rund 1.560 US-Dollar - bereits 18 Prozent unter dem September-2011-Hoch. Die Bollinger-Bänder hatten sich verengt, das Momentum war negativ, physisch hinterlegte Gold-ETFs hatten im ersten Quartal 2013 nach Marktberichten merkliche Nettoabflüsse verbucht. Der Markt war auf einen größeren Rückschlag eingestellt - nur nicht auf sein Ausmass.

Zwei Handelstage, die alles änderten

Die Kursentwicklung zwischen 11. und 15. April 2013 lässt sich aus der Zeitreihe genau rekonstruieren:

  • 11.04.2013 (Do): 1.560,28 USD - Ausgangsbasis.
  • 12.04.2013 (Fr): 1.482,80 USD – 4,97 Prozent. Der größte Freitagsverlust seit 2008.
  • 15.04.2013 (Mo): 1.351,91 USD – 8,83 Prozent. Der größte Tagesverlust seit 1980.

Drei Tage, 13,35 Prozent, 208 US-Dollar absolut - ein Ausverkauf dieser Dimension im nicht-regulatorischen Umfeld ist in der Goldgeschichte selten. In der zeitgenössischen Fachberichterstattung werden mehrere Faktoren genannt, von denen keiner für sich allein die Bewegung erklärt:

  • Schwächer als erwartete Wachstumszahlen der chinesischen Volkswirtschaft für das erste Quartal 2013.
  • Diskussionen um eine mögliche Veräusserung zyprischer Goldreserven im Rahmen des EU-Rettungspakets.
  • Größere Verkaufsempfehlungen mehrerer Investmentbanken in den Tagen vor dem Crash.
  • Historisch hohe Abflüsse aus physisch hinterlegten Gold-ETFs, die das zweite Quartal 2013 zum stärksten ETF-Abflussquartal in der Geschichte dieser Produkte machten (Quelle: World Gold Council).

Die World-Gold-Council-Analyse „Gold Demand Trends Q2 2013" dokumentiert den ETF-Abfluss detailliert. Eine konsolidierte akademische Kausalanalyse des April-Crashs liegt bislang nicht vor. Was in der Literatur unbestritten ist: Der 15. April 2013 leitete einen mehrjährigen Bärenmarkt ein, der den Goldpreis bis Dezember 2015 auf rund 1.050 US-Dollar drückte.

Was nach dem April-Crash kam

Der April-Crash markierte den Beginn einer mehrjährigen Orientierungsphase am Goldmarkt. Zwischen April 2013 und Dezember 2015 fiel der Kurs weiter auf unter 1.100 US-Dollar. Erst die Kombination aus Brexit-Votum (Juni 2016), Trump-Wahl (November 2016) und der schrittweisen Normalisierung der Fed-Politik ab 2017 brachte den Markt zurück in eine stabile Aufwärtsphase.

Das Allzeithoch von September 2011 (1.920 US-Dollar) wurde erst im August 2020 - also fast neun Jahre später - wieder erreicht. Zum Vergleich: Nach dem Hunt-Crash 1980 dauerte es 25 Jahre. Die Korrektur von 2013 war im historischen Vergleich scharf, aber kürzer als 1980.

Eine praktische Lehre des April-Crashs: Technische Signale (Trendlinien, Chartmuster, ETF-Abflüsse) können über Wochen und Monate hinweg präzise die Richtung vorgeben. Sie sagen aber wenig über den genauen Zeitpunkt und die Dimension einzelner Abstürze. Der 15. April 2013 war aus technischer Sicht seit Anfang des Jahres „angekündigt" - trotzdem überraschte er die meisten Marktteilnehmer. Die Tagesschlusskurse-Zeitreihe, wie sie diesem Bericht zugrunde liegt, erlaubt die rückblickende Präzision, die der Echtzeit-Marktbeobachtung fehlt.

Kursverlauf im Ereignisfenster

AbbildungGoldpreis pro Feinunze, Tagesschluss in US-Dollar
Zeitfenster 1. Februar 2013 bis 30. Juni 2013
Quelle: Tagesgenaue Zeitreihe Goldpreis USD je Feinunze, 1970-2026. Eigene Berechnung.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. World Gold Council: Gold Demand Trends Q2 2013, August 2013. Detaillierte Dokumentation der Gold-ETF-Abflüsse im April 2013.
  2. International Monetary Fund: Global Financial Stability Report, Oktober 2013. Einordnung des April-Crashs im globalen Rohstoffkontext.
  3. CME Group: Historische Margin-Anhebungen auf COMEX-Goldkontrakte, 2011. Archiv der Clearing Advisories.
  4. Federal Reserve Bank of St. Louis (FRED): 10-Year Treasury Inflation-Indexed Security, Serie DFII10. fred.stlouisfed.org/series/DFII10. Zeigt den Anstieg realer Renditen ab Dezember 2012.
  5. Bloomberg Professional Service: Gold-ETF-Flow-Daten, Quartalsaggregate 2012-2015. Zugangsbeschränkt.
  6. Eigene Zeitreihe Goldpreis, Tagesschlusskurse 1970-2026. Methodik siehe Hauptbericht.
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