Goldpreisabsturz.de

Historische Kursabstürze, tagesgenau seit 1970.

Ereignisdossier · Nr. 02

Januar 1980: Der größte Wochenverlust am Goldmarkt

Zwischen dem 22. und 31. Januar 1980 fiel der Goldpreis um fast ein Viertel. Ein Rekord, der seit 46 Jahren nicht gebrochen wurde.

-22,63 %
Fenster7 Handelstage
Zeitraum22. - 31.01.1980
Ausgangskurs909,90 USD
Endkurs704,00 USD
Absolutverlust205,90 USD

Sieben Handelstage, 22,6 Prozent Verlust

Zwischen dem 22. Januar 1980 - dem damaligen Allzeithoch bei 909,90 US-Dollar - und dem 31. Januar 1980 verlor der Goldpreis rund 22,63 Prozent. Es ist der größte Sieben-Handelstage-Verlust in der gesamten 56-jährigen Zeitreihe des freien Goldmarkts.

Das Fenster fängt einen Vorgang ein, der in der Rückschau oft auf einen einzigen Tag - den 25. Januar - reduziert wird. Tatsächlich lief die Liquidation bereits am 23. Januar an und setzte sich bis zum Monatsende fort. Die Sieben-Tage-Perspektive zeigt das volle Ausmass des Ausverkaufs, ohne die Volatilität einzelner Schlusskurse zu überbetonen.

Zehn Handelstage, die den Trend beendeten

Die Kursentwicklung zwischen dem Januar-Hoch und dem Monatsende lässt sich präzise rekonstruieren.

  • 22.01.1980 (Di): 909,90 USD - Allzeithoch der damaligen Zeitreihe.
  • 23.01.1980 (Mi): 859,90 USD – 5,5 Prozent.
  • 24.01.1980 (Do): 809,90 USD – 5,8 Prozent.
  • 25.01.1980 (Fr): 661,00 USD – 18,4 Prozent. Der rekordverdächtige Einzeltag.
  • 28.01.1980 (Mo): 659,20 USD – 0,3 Prozent.
  • 29.01.1980 (Di): 709,20 USD +7,6 Prozent - eine Gegenbewegung.
  • 30.01.1980 (Mi): 681,00 USD – 4,0 Prozent.
  • 31.01.1980 (Do): 704,00 USD +3,4 Prozent.

Innerhalb dieser zehn Handelstage lag die größte Tagesabweichung bei 18,4 Prozent nach unten, die größte nach oben bei 7,6 Prozent. Die realisierte Volatilität auf Schlusskursbasis erreichte damit einen in der Geschichte des Goldmarkts seltenen Wert. Für den Anleger bedeutete die Woche: eine Position, die am 22. Januar mit 909,90 USD eröffnet wurde und bis zum 31. Januar gehalten, war am Monatsende 22,63 Prozent weniger wert.

Zwei Kräfte treiben gleichzeitig nach unten

Der Wochencrash war das Ergebnis zweier sich verstärkender Entwicklungen.

Die Silber-Dynamik zog Gold mit. Der gescheiterte Silber-Corner der Hunt-Brüder führte nicht nur zu Verkaufsdruck am Silbermarkt, sondern auch zu Zwangsliquidationen über den gesamten Edelmetallkomplex. Wer am Silbermarkt Margin-Calls bedienen musste, verkaufte, wo sich Liquidität fand - auch in Gold.

Die US-Geldpolitik kippte die Realrenditen. Die Federal Reserve unter Paul Volcker hatte seit Oktober 1979 eine aggressive Kursänderung eingeleitet. Die Effective Federal Funds Rate war Ende Januar 1980 bereits über 13 Prozent. In den Folgemonaten stieg sie bis auf 17,6 Prozent im April 1980. Für Gold bedeutete das: Die Opportunitätskosten, eine zinslose Anlage zu halten, wuchsen Woche für Woche. Die klassische Gold-Inflations-Logik kippte.

Das Zusammenspiel der beiden Kräfte liess den Markt ohne natürliche Auffanglinie. Institutionelle Käufer, die in den Vormonaten den Aufwärtstrend gespeist hatten, warteten. Ausländische Zentralbanken, die in späteren Krisenphasen als Netto-Käufer auftraten, hatten 1980 noch keine strategische Goldkauf-Policy.

Der Massstab für alle folgenden Crashs

Die Wocheneinbussen vom Januar 1980 setzen einen Massstab, den kein späteres Ereignis erreicht hat. Zum Vergleich die größten Wochen-Verluste der Folgezeit (siehe Rangliste auf der Startseite):

  • August 1973 (6.-15. August): -18,57 Prozent
  • Februar/März 1983 (17.02.-01.03.): -18,31 Prozent
  • Oktober/November 1978 (30.10.-09.11.): -15,59 Prozent
  • Oktober 2008 (14.-23. Oktober, Lehman-Deleveraging): -15,11 Prozent
  • April 2013 (5.-16. April): -13,42 Prozent
  • März 2020 (9.-18. März, COVID-Cash-Run): -12,02 Prozent

Keiner dieser Wochen-Verluste kommt an die 22,63 Prozent vom Januar 1980 heran. Strukturell bleibt der Januar 1980 die Referenzwoche des Goldmarkts - nicht, weil er repräsentativ wäre, sondern weil er die Obergrenze des Denkbaren setzt.

Kursverlauf im Ereignisfenster

AbbildungGoldpreis pro Feinunze, Tagesschluss in US-Dollar
Zeitfenster 1. Januar 1980 bis 28. Februar 1980
Quelle: Tagesgenaue Zeitreihe Goldpreis USD je Feinunze, 1970-2026. Eigene Berechnung.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Williams, Jeffrey C.: Manipulation on Trial. Economic Analysis and the Hunt Silver Case. Cambridge University Press, 1995.
  2. Federal Reserve Bank of St. Louis (FRED): Effective Federal Funds Rate, Serie FEDFUNDS. fred.stlouisfed.org/series/FEDFUNDS.
  3. U.S. Bureau of Labor Statistics: Historical CPI-U data. bls.gov/cpi/data.htm.
  4. Federal Reserve Board: FOMC Historical Materials 1980. federalreserve.gov/monetarypolicy/fomchistorical1980.htm.
  5. Eigene Zeitreihe Goldpreis, Tagesschlusskurse 1970-2026. Methodik siehe Hauptbericht.
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